Wenn man dem aktuellen – und wie ich finde sehr sinnvollen – Trend „weniger Fleisch und dafür mehr Gemüse!“ – oder in Umkehr von Heinz Struck „Gemüse ist mein Fleisch!“ – folgt, landet man zunächst meistens bei den üblichen Verdächtigen: Brokkoli, Kohlrabi, Blumen- und Rosenkohl, im Winter auch mal Grünkohl und eben Karotten, manchmal auch Möhren genannt.
Bei uns im Bioladen ist die eigene Ernte von super leckeren Möhringer Karotten jetzt leider ausverkauft und aufgegessen. Die nette Verkäuferin meinte, ich solle als Ersatz doch mal die gelben Möhren probieren, die würden so ähnlich schmecken und man könne sie genauso gut auch roh essen. Sie hätten die in der Not von einem befreundeten Bauernhof von der Schwäbischen Alb übernommen, der die noch hatte. Und den manchmal dunkelgrünen Teil am oberen Ende müsse man auch nicht entsorgen. Der würde viele, gesunde Bitterstoffe enthalten und könne mitgegessen werden. Na, dann gekauft. Und? Ja, lecker!
Doch das war nicht alles. Sie hätte auch noch Wurzelpetersilie. Was ist das denn? Die Wurzeln von Petersilie? Nicht von jeder, aber von einer, die relativ große, flache Blätter hat und eben eine dicke Knolle. Sie schmeckt etwas süßlich und ähnlich den Pastinaken (da kommen wir gleich zu). Sie wird klassisch als Teil des Suppengemüses angesehen, man kann sie aber auch roh oder geraspelt in Rohkostsalaten essen. Wir haben sie einfach so ähnlich wie Karotten genutzt – und ja, passt, und ist mal eine Abwechselung. Zwei kleine Warnungen noch dazu: angeblich kann der Verzehr einer größeren Menge bei Schwangeren wehenauslösend wirken und sie wirkt etwas harntreibend.
Nun zu den Pastinaken. Sie waren, bevor die schneller wachsenden Kartoffeln eingeführt wurden, so etwas wie der Beilagenstandard bei deutschem Essen – und woanders auch. Trotz ihres hohen Gesundheitspotenzials (u.a. wenig Nitrat und dafür viel Vitamin C) waren sie dann in den letzten Jahren fast in Vergessenheit geraten. Die Pastinaken kommen jetzt aber, getrieben von Biobauern, wieder vermehrt auf den Markt. Ihr süßlich-würziger Geschmack liegt irgendwo zwischen Karotten, Sellerie und Wurzelpetersilie, nur sind sie etwas milder. Man kann sie als Püree essen oder auch in Würfeln, gedünstet oder angebraten (nicht zu kräftig, sonst werden sie bitter). Und selbst die Blätter kann man ähnlich der Petersilie zum Würzen nutzen. Also: auch Pastinaken sollte man unbedingt mal ausprobieren.
Auf dem Beitragsbild sieht man sie übrigens in genau der Reihenfolge (von links nach rechts): Karotte, gelbe Möhre, Wurzelpetersilie, Pastinake. Die Größen auf dem Bild sind etwas zufällig, so gibt es doch auch viel dickere Karotten, usw.. Aber die Pastinaken sind schon tendenziell die dicksten.
Und da sage noch einer Gemüse wäre langweilig …