Linda – DIE Kartoffel!

Spätestens seitdem die Industrie sie um 2005 vom Markt nehmen wollte ist sie sagenumwoben: Die Kartoffel der Sorte „Linda„. Für sie hatte der Freundeskreis „Rettet die Linda“, dem die Verbraucherzentrale Hamburg, Slowfood, die Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft, Bioland und Demeter angehörten, gekämpft. 2007 wurde sie gar zur „Kartoffel des Jahres„. Die Bemühungen waren erfolgreich und die Zulassung kam über einen Umweg über England 2009 in die EU und somit auch wieder nach Deutschland (alle Details zu der spannenden Geschichte der Linda auf Wikipedia).

Umso größer das Bedürfnis sie zumindest einmal zu probieren. Offensichtlich ist/war sie in Norddeutschland beliebter und einfacher zu bekommen. Zudem ist sie wohl nicht allzu lagerfähig, was die Händler im Süden scheinbar davon abhält sie zu bestellen. Leider.

Aber eines Tages früh im Jahr 2000 in Stuttgart entdeckte ich in einem Pflanzen- und Blumen-Center, das in der Corona-Lockdown-Zeit angefangen hatten auch Lebensmittel anzubieten, bei den Kartoffelschütten eine, über der das Schild „Linda“ prangte. Hmmm … Interesse geweckt! Das Problem war: sie war leer.

Okay, kurz an der Kasse nachgefragt. „Tja, leider ausverkauft. Bis zum Herbst erstmal nicht mehr. Aber fragen sie mal wieder, wenn die Kartoffelernte ansteht.“ Seitdem bin ich da Stammkunde und kaufe immer ein paar Alibiartikel und frage nach Linda. Lange haben sie mich vertröstet, bis kürzlich in der Schütte etwas war. Erst spontane Freude, dann Enttäuschung. Leider eine andere Sorte. Ich bin sofort zur Kasse gestürmt. „Nein, die Linda führen wir nicht mehr. Die kommt auch in Zukunft nicht mehr.“ Okay. Trauertag.

Ich hatte die Linda schon aufgegeben. Und dann war ich zufällig vor kurzem im Hofladen in Wörme in der Nordheide. Eigentlich nur so. Und dann entdeckte ich in einer Ecke das Schild: „Linda“. Zweimal geguckt und? Ja wirklich „Linda“! Die Kartoffeln waren eher ein bisschen unscheinbar und es waren auch nur noch wenige da. Ich hätte alle genommen, brauchte dafür aber eine Tüte. Die freundliche Verkäuferin verwies mich auf Tüten, die „da am Pfahl“ hängen würden. Das waren Tütchen, für 3-4 Kartoffeln. Sofort meine Frage: „Haben sie auch größere Tüten?“ Das schien irgendwie schwierig zu sein. Aber zum Glück mischte sich die zweite Verkäuferin ein: „Wir haben hinten auch noch einen 10 kg Sack.“

Leuchtende Augen auf meiner Seite! „Den hätte ich gern!“ Und nun habe ich sie, zum ersten Mal: Die sagenumwobenen Kartoffeln der Sorte Linda. Und wie ist sie? Im Aufschnitt schön gelb. Und ziemlich festkochend, wobei sie angeblich mit zunehmender Lagerzeit mehliger wird. Und geschmacklich? Süßer als die meisten anderen, dabei nur wenig erdig. Eigentlich die perfekte Kartoffel für einen Kartoffelsalat, aber auch für Bratkartoffel.
(Wer bei dem Bild meines Kartoffelsalats jetzt die Zwiebeln vermisst: Ich bin da irgendwie allergisch drauf und nehme seit einiger Zeit keine Zwiebeln mehr. Das kann man natürlich anders machen und würde auch schmecken.)

Beim nächsten Besuch da oben kaufe ich den nächsten Sack.

PS.: Im Internet findet man zahlreiche, weitere Einkaufsquellen für Linda-Kartoffeln

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