Weihnachtsbaum – wenn, dann aber bio!

Jedes Jahr im Dezember kommt wieder die Frage auf, was machen wir zu Weihnachten mit dem Baum? Kaufen wir wieder ganz normal einen üblichen Weihnachtsbaum? Setzen wir diesmal auf einen wieder einpflanzbaren Baum im Topf? Oder nehmen wir gar einen Plastikbaum? Okay – letzteres scheidet definitiv aus, denn das ist ökologisch eine Katastrophe.

In der Vergangenheit haben wir immer einen ganz normalen Weihnachtsbaum gekauft. Der wird nach Gebrauch bei uns im Januar von den Mitarbeitern der Möhringer Jugendfarm eingesammelt und so kommt zumindest noch etwas Spendengeld für eine gute Organisation zusammen. Was aber auch auffiel, war, dass dieser Weihnachtsbaum, neben dem natürlichen Geruch nach Nadeln und Wald, auch immer einen etwas leicht stechenden und Schleimhaut-reizenden Geruch hatte. Aus diesem Grund haben wir uns im Dezember 2021 zum ersten Mal dazu entschieden, es anders zu machen.

Nachdem Zeitungsberichte sich kritisch darüber geäußert hatten einen wieder einpflanzbaren „Baum im Topf“ zu nehmen (diese überleben die Prozedur in der Regel nicht, weil es ihnen in dem Wohnzimmer zu warm ist und sie damit in ihrer Vegetationsprozedur völlig durcheinander kommen.) In einem dieser Artikel war auch angegeben, das der NABU jedes Jahr eine Liste veröffentlicht, wo man ungespritzte – und das ist hier wesentlich – „Bio“-Nadelbäume erwerben kann. Zum Glück war auch eine Adresse bei uns in der Nachbarschaft dabei, was für uns die Sache natürlich einfacher gemacht hat. Es handelte sich um einen Baumarkt … Okay, wenn es denn so ist und das Thema niemand anderen interessiert. Angeblich werden ja weniger als 1% der Bäume als Biobäume verkauft. Alle anderen bringen einem einen Chemiecocktail in das Wohnzimmer.

Normalerweise habe ich meine Bäume (Nordmanntannen) immer erst wenige Tage vor Heiligabend ausgesucht und gekauft – in der Hoffnung, dass sie erst kurz vorher geliefert waren und er damit möglichst frisch geschlagen waren und nicht sofort nadelten. Das hat so nicht immer funktioniert und manchmal waren sie Heiligabend schon halbwegs nadellos. In diesem Jahr sollte es ein Bio-Baum sein und deshalb bin ich frühzeitig aufgebrochen … in diesen Baumarkt. Dort angekommen, war fast die gesamte Gartenverkaufsfläche ausgeräumt und mit Weihnachtsbäumen gefüllt. Viele 100 – ich habe sie nicht gezählt. Aber Bio-Bäume konnte ich zunächst nicht finden. Da das ganze dort in Selbstbedienung funktioniert, war auch niemand da, den man fragen konnte. Erst nachdem ich die ganze Halle abgelaufen hatte, fand ich ganz in der äußersten Ecke etwa acht Bio-Bäume – gegenüber mehreren 100 klassisch-gespritzten Normalbäumen. Diese Bio-Bäume waren vielleicht nicht die schönsten von ihrem Wuchs her, und wie gesagt die Auswahl war auch übersichtlich. Ich habe dann einfach den mir am schönsten erscheinenden Bio-Baum ausgewählt, ihn selber durch eine ein Packtonne in ein Netz gezogen, bezahlt und mit nach Hause genommen.

Dort lag er nun drei Wochen in der viel zu warmen Winterluft. Als ich ihn dann auspackte, fing er tatsächlich schon etwas an zu nadeln. Ich habe ihn entsprechend der mitgeführten Anweisung am Stamm um 3 cm abgesägt, in den Ständer gestellt und etwas Wasser hinein gekippt. Ob das mit dem Wasser wirklich Sinn macht, ist zumindest umstritten. Der Baum ist ja tot und hat damit eigentlich keine Kapillarwirkung mehr, mit der er das Wasser den Zweigen zuführen könnte. Mir scheint es sinnvoller, den Baum immer wieder feucht zu besprühen, was ich dann auch regelmäßig mache.

Nun steht er seit gestern bei uns im Wohnzimmer. Nicht so schön wie die Bäume der anderen Jahre, aber – und das ist schon ein großer Schritt! – er riecht nicht. Das stimmt so nicht: er riecht wunderbar nach Baum und Wald, aber eben nicht nach Chemie. Und das merkt man schon!

Mit anderen Worten: das Thema Bio-Weihnachtsbaum ist bei uns angekommen und ich werde es auch in den nächsten Jahren wieder so machen, zumal ich nun weiß, wo solche Bäume gibt. Und in den letzten Tagen ist die Liste der Verkaufsstellen für solche Bäume auch deutlich länger geworden. Man muss also auch Bio-Bäume nicht ganz so früh kaufen, auch wenn sie am Schluss vielleicht zuerst ausverkauft sind. Ich hoffe, dass die Auswahl im nächsten Jahr noch etwas größer wird und mehr Menschen auch beim Weihnachtsbaum etwas bewusster kaufen.

Frohes Fest!

PS: Die Stuttgarter Zeitung hat noch 10 gute Tipps veröffentlicht, was man mit einem ungespritzten Bio-Weihnachtsbaum nach Weihnachten machen kann: Baden, essen, Schnecken verscheuchen, usw. Auch hier zeigen sich die Vorteile.

Die anderen landen meistens in einer Weihnachtsbaumsammlung. Manche davon werden dann verfüttert, etwa im Zoo, wie der Stuttgarter Wilhelma, die alte Weihnachtsbäume an Elefanten verfüttert. Ob das immer eine gute Idee oder gar Delikatesse ist, wo doch fast alle mit verschiedensten Chemikalien gespritzt waren, weiß ich nicht so richtig – wohl eher nicht.
Aber wie und wo werden gezielt Bio-Bäume wieder eingesammelt ???

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