Irgendwann zu Beginn der Pubertät fangen bei Jungs die Barthaare an zu sprießen. Das wird als großer Schritt im Leben gesehen, denn nun wird Mann langsam erwachsen. Die Wahrheit ist aber auch, dass damit etwas beginnt, das man als Mann mögen mag oder als lästig empfindet. In letzter Zeit, muss ich gestehen, entdecke ich aber auch einen zunehmenden Spaß bei der Prozedur des Rasierens. Warum?
Ich empfand den Bartwuchs von Beginn an als irgendwie lästig und habe mich immer rasiert – ein Bart ist einfach nicht mein Ding. Das Rasieren ist über die Jahre ein durchaus erheblicher Aufwand, der auch etwas nervt. Damit stellt sich die Frage, ob man Rasieren auch anders gestalten kann, sodass es etwas Schönes mit sich bringt? Die Antwort ist ja – es hängt ganz stark davon ab, wie man es macht. Mit „huschi-fuschi“ bleibt es lästig. Wenn man aber eine kleine, schöne Prozedur daraus macht, hat es durchaus etwas Sinnliches und damit Reizvolles.
Zunächst, ganz am Anfang, hatte ich elektrische Rasierer ausprobiert. Da gibt es im Prinzip zwei Systeme: eins von Philips mit drei Köpfen und eins von Braun mit einem Kopf. Beide funktionieren so einigermaßen, aber was die Tiefenwirkung angeht, nicht wirklich gut. Das Thema war schnell abgehakt.
Zufrieden war ich erst mit einer Nassrasur. Das Ergebnis war wirklich glatte Haut, wie bei einem Baby-Popo – zumindest für die ersten Stunden. Nassrasur heißt aber nicht einfach Wasser und Klingen: es bedarf eines Gleitfilms oder Schaums, damit die Klinge beim Schneiden der Barthaare über die zarte Gesichtshaut gleiten kann, ohne sie zu verletzen. Der Schaum weicht zunächst die Bartstoppel auf und sorgt auch dafür, dass sie aufrecht stehen bleiben und so besser abgetrennt werden können. Zudem pflegt sie noch die durch die Rasur etwas gestresste Haut.
Hierzu gibt es verschiedene Angebote und Möglichkeiten. Welche sind die besten?
Rasierschaum aus der Spraydose: Man kann sich den Schaum auf die Hand sprühen und im Gesicht auch ohne Pinsel verteilen. Das funktioniert. Doch aus Umweltgründen ist das trotzdem keine gute Idee, denn da sind zum einen schädliche Treibhausgase drin und zum zweiten ist da der große Alubehälter mit Plastikkappen und so weiter. Geht also höchstens mal im Notfall.

Rasiercreme zum Aufschäumen aus der Tube: Hier drückt man ein bis anderthalb Zentimeter Rasiercreme aus der Tube und verteilt sie etwas im Gesicht. Im zweiten Schritt benötigt man einen Rasierer-Pinsel, um die Creme aufzuschäumen und wirklich im Gesicht zu verteilen. Nach einer kurzen Einwirkungszeit von grob einer Minute funktioniert das Rasieren dann gut, zumal man sieht, wo man schon rasiert hat – dort ist der Schaum weg.
Ausprobiert habe ich hier die blau verpackte Creme von Beiersdorf aus normalen Drogeriemärkten und die ebenfalls blaue von Weleda aus einem Bioladen. Beide kommen in einer Aluminiumtube, was auch nicht sonderlich umweltfreundlich ist, aber wohl nicht anders geht – und vielleicht besser als Plastikmüll ist. Und im Gegensatz zum Spray kann man hiermit deutlich mehr Rasuren pro Aluminiummenge durchführen. Beide Cremes riechen gut, die Creme von Beiersdorf ist softer und lässt sich einfacher handhaben, während die von Weleda trockner ist und etwas krümelt, also eher in einem Tiegel angerührt werden muss. Damit überzeugt Letztere nicht so ganz. (Scheinbar hat Beiersdorf aber kürzlich die Rezeptur stark verändert. Deren neue Creme erhält jetzt viele schlechte Kommentare.)
Die dritte Variante sind Rasierseifen, die meistens in Tiegeln oder Blechdosen angeboten werden. Dazu gibt es dann auch umweltfreundliche Nachfüllpackungen – alles kommt im Idealfall ohne Aluminium und Plastik aus. Man macht den Bart und den Pinsel etwas nass, geht dann mit dem Pinsel auf die Seife und nimmt davon ein bisschen auf und verteilt sie dann mit dem Pinsel auf dem Bart. Dabei schäumt sie auf und entfaltet einen angenehmen Geruch. Es fühlt sich ein bisschen wie Bartkraulen an – ein durchaus nettes Gefühl. Und dann kommt die Klinge, die natürlich noch gut scharf sein sollte und gleitet sanft über die Haut. Das ist schon etwas sinnlich … Der Daimler unter den Rasierseifen ist die Klar Klassik Rasierseife aus Heidelberg, Die hat allerdings – auch wenn sie besonders ergiebig ist – ihren Preis. Aber keine andere schafft einen ähnlich gut riechenden und derartig stabilen Schaum wie diese.

Ein Thema dazu ist natürlich auch die Auswahl des Rasierpinsels. Klassisch setzt man hier auf Dachshaar, wobei die Herstellung mit Tierquälerei verbunden ist. Mittlerweile gibt es auch sehr gute synthetische Pinsel, die das Dachshaar vollwertig ersetzen und meiner Meinung nach vorgezogen werden sollten, zumal sie auch noch günstiger sind und ähnlich lange halten. Beim Rasierpinsel sollte man darauf achten, dass er nach der Rasur ausgespült gut trocknen kann. Dazu muss er hängen. Denn stellt man ihn hin, weicht die Restfeuchte die Verklebung am Fuße der Pinselhaare schnell auf und der Pinsel geht kaputt.
Es gibt eine weitere, wenig bekannte Variante, die insbesondere auf Reisen ihre Vorteile ausspielt: es ist eine Creme, die ganz ohne Pinsel – weil ohne Seifenanteil und damit nicht schäumend – einfach von Hand im leicht angefeuchteten Bartbereich verteilt wird. Ein sehr gutes Beipiel dafür ist die Xerasol aus Österreich, die es seit über 80 Jahren gibt. Man sieht sie kaum, aber sie schafft einen hervorragenden Gleitfilm, mit dem man sich ausgezeichnet rasieren kann. Bei dieser Variante ist insbesondere wichtig, dass die Klingen noch schön scharf sind. Durchaus eine Empfehlung!

Und ist der Bart erst mal wieder ab kann der Tag beginnen! Was will Mann mehr?